
Einfach mal was ausprobieren: Raus aus der Komfortzone
Wisset, dass das Geheimnis des Glücks die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit aber der Mut ist. Perikles –
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – aber mein Kalender ist zumindest unter der Woche meist ziemlich durchgetaktet. Vieles ist geplant, strukturiert und organisiert. Das gibt zwar Sicherheit, kann sich aber auch einengend anfühlen und lässt oft wenig Raum für Entwicklung.
In diesem Beitrag möchte ich anhand von drei Beispielen zeigen, wie bereichernd es sein kann, eigene Grenzen – oder besser gesagt: Selbstbegrenzungen – zu verlassen. Manchmal genügt ein kleiner Schritt außerhalb der Komfortzone, manchmal braucht es etwas mehr Mut. Doch fast immer lohnt es sich.
Ein neues Gefühl für die eigenen Möglichkeiten
Ein kleines, aber für mich sehr eindrucksvolles Beispiel war die spontane Einladung von Freunden zu einem modernen Tanztheater mit dem Titel „Coin operated“. Mit diesem Genre hatte ich bisher kaum Berührungspunkte – umso überraschter war ich von der Wirkung des Abends.
In dieser interaktiven Installation laden zwei Tänzer das Publikum dazu ein, durch Münzeinwurf Aktionen auszulösen und zwei Rodeomaschinen in Bewegung zu setzen. Tanz in einer völlig ungewohnten Form – verspielt, kreativ und überraschend.
Nach der Aufführung fühlte ich mich beschwingt, inspiriert und vor allem freier von meinen eigenen Vorstellungen darüber, „was man tut“ oder „was man besser lässt“. Eine kleine Entscheidung – mit großer Wirkung für mich.

Neue Erfahrungen sammeln – den Horizont erweitern
Ein größerer Schritt aus meiner Komfortzone war der spontane Kauf eines ganz besonderen Wohnmobils. Ich habe mir einen Piaggio Porter zugelegt und ihn mit Unterstützung eines Schreiners zu meinem persönlichen #mobilebed umgebaut.
Meine Mutter nennt das Fahrzeug bis heute „völlig unpraktisch“. Und tatsächlich: Technisch liegt der kleine Wagen etwa 15 Jahre zurück. Für mich jedoch wurde dieses Projekt zu einer meiner schönsten Inspirationen des Jahres 2021.
Der winzige Van schenkt mir Freiheit. Die Möglichkeit, spontan loszufahren, irgendwo zu übernachten, einfach unterwegs zu sein. Manchmal sitze ich sogar nur darin, genieße die Atmosphäre, ein Glas Wein und dieses ganz besondere Gefühl von Glück und Unabhängigkeit.
Veränderung ist in jedem Lebensabschnitt möglich
Auch eine Klientin, die ich schon länger begleite, hat in letzter Zeit eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Zu Beginn unserer Zusammenarbeit war sie eine äußerst gewissenhafte und vernünftige Buchhalterin. Doch mit der Zeit fühlte sie sich zunehmend gelangweilt und erschöpft von ihrer Tätigkeit.
Nun befindet sie sich im Übergang in den Ruhestand – ein Begriff, der sich für sie jedoch überhaupt nicht passend anfühlt. Statt sich zurückzuziehen, beginnt sie gerade, lange verdrängte Interessen neu zu entdecken.
Sie hat ihre kreative Seite wiedergefunden, gestaltet Wohnaccessoires und entdeckt ihre Freude am freien, wilden Tanzen neu. Noch steht sie am Anfang dieses Weges – doch die ersten Schritte sind bereits getan.
Zurück zum eigenen Wesenskern
In meiner Arbeit und auch in meinem eigenen Leben erlebe ich immer wieder, wie wir uns im Laufe der Jahre anpassen – an Familie, Schule, Beruf oder gesellschaftliche Erwartungen. Dabei verlieren wir häufig den Kontakt zu unserem eigentlichen Wesenskern.
- Das, was wir gut können.
- Das, was uns Freude macht.
- Das, was uns wirklich entspricht.
Werden diese Anteile dauerhaft unterdrückt, kann das auf Dauer sogar krank machen. Gefühle werden zurückgehalten, Bedürfnisse übergangen – und wir verstecken uns Stück für Stück selbst.
Deshalb lautet meine wichtigste Empfehlung: den Weg zurück zum eigenen Wesenskern zu suchen. Nicht überstürzt und nicht radikal, sondern behutsam und neugierig. Oft braucht es Zeit, um herauszufinden, warum bestimmte Seiten lange nicht gelebt werden durften.
Alte Prägungen verstehen – neue Wege ermöglichen
Früher hätte mich die Kritik meiner Mutter an meinem kleinen Camper verletzt. Heute kann ich liebevoll darauf schauen. Ich verstehe, warum für sie Ordnung, Struktur und Praktikabilität so wichtig sind. Für mich gelten andere Maßstäbe – und trotzdem können wir heute gemeinsam in meinem Wunschmobil unterwegs sein.
Auch meine Klientin hat gelernt, die Lebensumstände ihrer Mutter zu würdigen. Diese gehörte zur Nachkriegsgeneration und hatte im Alltag genug Herausforderungen zu bewältigen. Für die Förderung einer temperamentvollen, kreativen Tochter blieb oft kein Raum.
Diese Anerkennung der Vergangenheit ist wichtig. Denn ungelöste, verinnerlichte Glaubenssätze können uns sonst die Freude, Energie und den Mut rauben, Neues zu wagen.
Mut als Schlüssel zur Veränderung
Der Schritt hinaus aus der Komfortzone bedeutet immer auch, sich auf Unbekanntes einzulassen. Das braucht Mut. Doch genau dort entstehen oft neue Lebendigkeit, Kreativität und persönliche Freiheit.
Oder anders gesagt:
Mut öffnet Türen – zu uns selbst.


