• Lebensthemen

    Viel zu große Schuhe – Parentifizierung in der Kindheit und Folgen

    „Warst du als Kind diejenige, die immer vermitteln musste, wenn deine Eltern gestritten haben?“ „Hast du früh gelernt, stark zu sein – weil sonst niemand stark war?“ „Warst Du eher unsichtbar, unauffällig und angepasst – weil sich keiner um dich gekümmert hat?“ Wenn Kinder Aufgaben übernehmen müssen, die eigentlich zu den Eltern gehören – emotional oder praktisch – spricht man von Parentifizierung. Es ist ein ungewollter Rollentausch, bei dem Kinder in eine Verantwortung gezwungen werden, weil das Familiensystem sonst auseinander bricht. Dies kann aus ganz verschiedenen Gründen erfolgen: Wenn Mütter oder Väter psychisch (Alkoholismus, Depressionen u.a.) erkrankt sind und keine Kapazitäten haben, sich ihren Kindern zuzuwenden Wenn ein Bruder oder…

  • Beratungsbeispiele aus meiner Praxis

    Medizinisches Trauma: Symptome, körperliche Reaktionen und Wege zur Verarbeitung

    Vor einer anstehenden weiteren Operation bittet mich eine Klientin um einen Termin, da sie im Hinblick auf ihre OP vielerlei körperliche Symptome verspürte. In der Sitzung erzählte sie dann, dass schon allein bei der Vorstellung an den Termin ihr Herz zu rasen beginnt und sie in der letzten Zeit auch Schlafstörungen hatte. Medizinische Behandlungen sollen Heilung und Unterstützung geben. Doch nicht jede Erfahrung im medizinischen Kontext wird als sicher oder hilfreich erlebt. Manchmal hinterlassen Operationen, Notfallsituationen oder belastende Untersuchungen psychische Spuren, die noch lange nach der körperlichen Genesung bestehen bleiben. In der Psychotherapie sprechen wir dann von einem medizinischen Trauma. Und vielleicht liegt der Ursprung schon sehr lange zurück… so,…

  • Lebensthemen

    Wollte, könnte, sollte – wie der Konjunktiv uns ausbremst

    Wollte, könnte, sollte oder müsste – was wirklich dahinter steckt, wenn gesetzte Ziele und Wünsche nicht umgesetzt werden Willkommen im Konjunktiv, hier könnte alles so schön sein. Der Konjunktiv – diese scheinbar harmlose grammatikalische Form – ist mehr als nur ein Stilmittel der deutschen Sprache. Hier dient es dazu, wenn man mögliche und unmögliche Dinge sprachlich darstellen möchte. Er ist aber auch ein Symbol für die Art und Weise, wie Träume und Wünsche in eine Scheinwelt verbannt werden und – nicht umsetzt werden. Würde, könnte, sollte oder müsste – diese Worte markieren häufig die Grenze zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Aber warum behindert uns dies, das zu tun, was wir wirklich wollen? Und welche Rolle…

  • Körper und Seele

    Toxische Scham: Ein lähmendes Gefühl und wie wir damit umgehen können

    Was ist Dir das menschlichste? Jemand Scham ersparen. (Friedrich Nietzsche) Scham – ein unangenehmes Gefühl, das viele von uns zu vermeiden suchen. Doch ist Scham wirklich so negativ, wie sie oft empfunden wird? Tatsächlich kann eine gesunde Scham hilfreich sein: Sie erinnert uns daran, unsere Werte zu reflektieren und unser Verhalten anzupassen. Scham zeigt uns, wenn Grenzen überschritten wurden, und bewahrt unsere Würde – vorausgesetzt, wir nehmen sie rechtzeitig wahr und nutzen sie konstruktiv. Die zwei Gesichter der Scham Nicht jede Scham ist jedoch gesund. Im Gegensatz zur natürlichen Scham, die uns schützt, wirkt toxische Scham zerstörerisch. Sie greift unseren Selbstwert an und vermittelt das schmerzhafte Gefühl, fehlerhaft oder „nicht…

  • Lebensthemen

    Kriegsenkel in der Lebensmitte: warum uns Verstehen helfen kann

    Seelische Trümmer – Eine Generation räumt auf „Wir sind damit beschäftigt, die seelischen Trümmer aufzuräumen“, beschreibt Bettina Alberti in ihrem Buch Seelische Trümmer. Während die Elterngeneration – die sogenannten Kriegskinder – nach dem Zweiten Weltkrieg mit bloßen Händen Trümmer aus Stein beseitigte, blieb für die Aufarbeitung seelischer Verletzungen damals kein Raum. Diese Aufgabe fällt heute den Vierzig- bis Sechzigjährigen zu – der Generation in der Lebensmitte oder die Babyboomer. Krieg hinterlässt tiefe seelische Spuren Für jene, die Krieg unmittelbar erleben, bedeutet er das größte vorstellbare Trauma. Die nachfolgende Generation trägt die Folgen weiter: unverarbeitete Verlusterfahrungen, Scham und Schuld, emotionale oder räumliche Entwurzelung und vieles mehr… In Deutschland kommt eine kollektive…